Wenn Menschen einen Eindruck hinterlassen – Wilhelm Conrad Röntgen

Das 19. Jahrhundert muss ein aufregendes Jahrhundert gewesen sein. Die Liste der Entdeckungen und Erfindungen aus dieser Zeit ist unendlich lang, ebenso die Liste der Namen derer, die bis heute bekannt sind. Einen davon, wollen wir heute wieder etwas genauer vorstellen.

Man schreibt das Jahr 1845. Es ist das Jahr der Uraufführung der Oper Tannhäuser von Richard Wagner am Königlich Sächsischen Hoftheater (Semperoper) in Dresden. Der Main hat im März den höchsten Wasserstand der letzten 200 Jahre und auch die Elbe führt so viel Wasser, dass man von der „Sächsischen Sintflut“ spricht. Im Januar wird die Deutsche Physikalische Gesellschaft gegründet und im Dezember wendet Crawford Williamson Long erstmals Äther als Betäubungsmittel bei der Geburt eines Kindes an. Am 7. Januar wird Ludwig der III. geboren, er ist der letzte bayrische König.

Weniger aufregend, aber später ein Eintrag in der Liste „Besondere Ereignisse des Jahres 1845“, ist die Geburt des Wilhelm Conrad Röntgen. Er wird als Einzelkind des Tuchhändlers Friedrich Conrad Röntgen und seiner Frau Charlotte Constanze geboren. Als wäre die Schulzeit von Genies und Erfinder als Katastrophenfall vorprogrammiert (siehe die Schulzeit von Nikola Tesla), verlässt er die Technische Schule in Utrecht ohne Abschluss. Allerdings ist dieser „Rauswurf“ im Grunde als „Ehrenhafte Entlassung“ zu bewerten, denn er muss die Schule verlassen, weil er den Urheber (Mitschüler) einer aufsehenerregenden Karikatur nicht verrät.

Zunächst schreibt er sich mangels Abiturs als Gasthörer in Utrecht ein, bevor er in Zürich auch ohne Abitur und aufgrund seiner Vorkenntnisse sogar ohne Prüfung zum Studium zugelassen wird. Bereits nach 3 Jahren erhält er das Diplom des Maschineningenieur. Doch diese Fachrichtung weckt nicht seine Leidenschaft. Anders die Physik, die er durch den nur wenige Jahre älteren August Kundt kennen und lieben lernt. Im Juni 1869 promoviert er in Physik an der Universität Zürich, bevor er als sein Assistent mit Kundt an die Universität Würzburg wechselt. Im Januar 1872 widmet er sich privaten Themen und heiratet Anna Bertha Ludwig.

Sein fehlendes Abitur holt ihn wieder ein, als er an der Universität Würzburg habilitieren möchte, was ihm dort verweigert wird. Es zieht ihn nach Straßburg, denn dort kann er habilitieren und erhält eine außerordentliche Professur – auch ohne Abitur. 1879 scheint das niemanden mehr zu stören und er erhält eine ordentliche Professur in Gießen. Er kommt gut rum, denn 1893 wird er zum Rektor der Universität zu Würzburg gewählt.

Es ist der 8. November 1895, an dem Wilhelm Conrad seiner täglichen Arbeit nachgeht. Bis zu diesem Datum hat er sich mit den Eigenschaften des Quarzes und der Verdichtbarkeit von Flüssigkeiten beschäftigt. Er untersucht die elektrische Leitfähigkeit von Gasen bzw. deren Eigenschaften, als er eine unsichtbare Strahlung entdeckt. Die Strahlung, mit der man das verborgene Innere von Organismen sichtbar machen kann, nennt er „X-Strahlen“ – später wird sie nach ihm als „Röntgenstrahlung“ benannt.

Er berichtet persönlich Kaiser Wilhelm und im Januar 1896 wird die erste Abbildung eines Röntgenbildes veröffentlicht. Wie so oft, wird die neue Technologie eingesetzt, ohne sich über die Wirkung im „Guten“ wie im „Bösen“ intensiv schlau zu machen. Und so bleibt es nicht aus, dass der Einsatz und das Experimentieren, einigen Pionieren das Leben kostet. Röntgen selbst bestrahlt z.B. die Hand von Marie Kundt 20 Minuten.

Portrait von Wilhelm Conrad Röntgen in Brain-Y Journal

1900 erhält er die Professur an der Universität München und 1901 erfolgt der „Ritterschlag“ mit dem Nobelpreis für Physik. Kurz nach dem Tod seiner Frau 1919 wird er 1920 emeritiert und 1921 verfasst er seine letzte wissenschaftliche Arbeit. Am 10. Februar 1923 stirbt Wilhelm Conrad Röntgen in München.