Stille Post – Wenn die Zellen etwas falsch verstehen

Two neurons connecting by using electrochemical transmissions. Digital illustration.

Ergänzungsartikel zu: Mensch, Körper & Krankheit – Teil 2 von 3

Kommunikation ist grundsätzlich ein schwieriges und komplexes Thema. Man kann daraus eine „Wissenschaft“ machen, man kann es aber auch einfach halten. Sie kennen sicherlich die alte Seminar-Weisheit: Nichts zu sagen, bedeutet nicht, nicht zu kommunizieren. Nicht umsonst existiert das Wort „Missverständnis“ – und nichts ist in der Kommunikation so alt wie der Streit darüber, ob ich falsch verstanden wurde, mich falsch ausgedrückt habe oder das Gegenüber mich nicht verstehen will. Viele Menschen halten sich mit ihrer Meinung in der Öffentlichkeit bewusst zurück, weil sie befürchten, nicht den aktuell korrekten Ausdruck – dass derzeit gesellschaftlich akzeptierte Wort zu benutzen oder die aktuell geduldete Meinung zu kennen.

Wenn wir Menschen miteinander kommunizieren, existiert Spielraum für Interpretation, entstehen Missverständnisse, werden individuelle Lösungen umgesetzt und es ist kaum zu glauben, dass ein solch perfektes Konstrukt wie der Mensch, ausgerechnet beim Thema Kommunikation eine solch hohe Fehlerquote produziert. Ganz im Gegenteil zur Kommunikation in unserem Körper – sie ist nahezu fehlerfrei, sie ist eindeutig und effizient. Sie findet auf unterschiedlichen Ebenen, in unterschiedlicher Form und mit unterschiedlicher Zielsetzung statt. Signalgeber, Signal und Signalempfänger sind exakt aufeinander abgestimmt und ergeben „grenzüberschreitend“ eine harmonische, komplexe Institution. Es hat den Anschein, als hätte irgendetwas unser Inneres beim Turmbau zu Babel vor der babylonischen Sprachverwirrung geschützt und lediglich unser Sprachzentrum der „Rache“ oder dem „Zorn“ Gottes ausgesetzt (Jetzt haben wir sogar das Alte Testament in unserem Blog integriert, wer hätte das Gedacht). Also schauen wir sie uns doch genauer an – die Kommunikation in unserem Körper. Wir sollten dabei nicht vergessen, was der Inhalt unseres Blogs ist – wo kann Strahlung, Mobilfunkstrahlung dem Körper schaden? Diese Frage nicht aus den Augen verlierend, werfen wir nun also Licht auf die Kommunikation in unserem Körper.

Turmbau zu Babel/ Babylon BILD: Adobe Stock/ Adam Jan Figel

Licht ist ein gutes Stichwort, das wir unmittelbar aufgreifen wollen. Haben Sie schon einmal etwas von Biophotonen gehört oder gelesen? Prof. Dr. Fritz Albert Popp – ein deutscher Biophysiker – entdeckte vor mehr als 4 Jahrzehnten die sogenannten „Biophotonen“. Seine These: Zellen kommunizieren mit Hilfe von Licht. Ausgangspunkt für diese These, war die Frage „Was ist Leben?“ und der Versuch einer Antwort darauf, von Erwin Schrödinger (Physik-Nobelpreis im Jahre 1933) im Jahr 1944. Im Jahr 1975 gelang Popp der experimentelle Nachweis von Biophotonen – ein schwaches Licht, das von lebendigen Substanzen mit einer Wellenlänge zwischen 200 und 800 Nanometern abgestrahlt wird. Je nach fachlicher Herkunft, wird Popps These (nicht die Existenz) der Biophotonen hochgelobt und untermauert oder als Unsinn abgewertet. Wir haben „Licht“ in diesem Blog zur Erklärung bzw. für den Einstieg des Themas Strahlung gewählt (siehe die Artikel hierzu….) und finden die These Popps sehr spannend. Aus diesem Grund werden wir das Thema Biophotonen in einem gesonderten Artikel behandeln.

Photonen abstrakt dargestellt/ BILD: Adobe Stock/ agsandrew

Konzentrieren wir uns also an dieser Stelle auf die anderen Kommunikationswege im Körper. Da wären z.B. die Nerven. Nervenbahnen leiten das Signal durch Potentialunterschiede über weite Strecken im Körper. Der Zellkörper einer Nervenzelle nimmt Signale auf und über das Axon wird dieses Signal in Form eines reinen Impulses zur nächsten Station weitergeleitet. Eine Möglichkeit der Nervenschädigung ist die mangelhafte bis unzureichende Durchblutung. Dies kann z.B. durch Diabetes hervorgerufen werden. Eine andere Ursache, für unser Thema relevantere, Zerstörung der Nerven ist die CIDP.

Ein „Beschleuniger“ bei der Übertragung des Impulses über das Axon, ist die Myelinscheide, eine Isolierung der Nerven. Wird diese Isolierungsschicht zerstört, treten auch Störungen bei der Signalübertragung auf. CIDP ist der Name der Krankheit, bei der die Myelinschicht und teilweise die Nervenzellen selbst, durch eine fehlgesteuerte Reaktion des Immunsystems angegriffen werden – eine Autoimmunkrankheit. Zur Erinnerung: Bei Autoimmunkrankheiten erkennt das Immunsystem eigene Zellen als „Fremde“ und greift diese an. Wir haben bereits einen Ergänzungsartikel zum Thema „Autoimmunkrankheiten“ veröffentlicht. Sie finden diesen unter:

„KnoffHoff“ – Autoimmunkrankheiten eingestellt in der Rubrik: Faszinierende(r) HintergrundInformation

Ein Großteil der körpereigenen Kommunikation beruht auf der Reaktion von Rezeptoren. Sie funktionieren zum Beispiel durch das sogenannte „Schlüssel-Schloss-Prinzip“.  Das Andocken eines bestimmten Stoffes löst eine Reaktion aus. Aber auch andere Mechanismen, wie der Anstieg oder der Abfall eines elektrischen Potenzials, können Reaktionen auslösen.

An welchem Punkt kommt nun der Einfluss von Strahlung ins Spiel?  Ausgangs- und Zielpunkt ein jeder Kommunikation, jedes Signals im inneren unseres Körpers ist die Zelle. Auch wenn die Übermittlung oder das Auslösen verschiedene Wege kennt, so ist die Reaktion immer an die Funktion einer Zelle gebunden. Schäden, die durch eine Strahlung entstehen können, werden in der Regel in der DNA einer Zelle lokalisiert.

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz deuten mehrere Studien daraufhin, dass bei starker beruflicher Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern verstärkt neurodegenerative (Neuro=Nerven) Erkrankungen auftreten. So ergab sich für Alzheimer Demenz und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ein Anstieg des Risikos um 10%.

„Eine Schweizer Studie an der allgemeinen Bevölkerung, also nicht an beruflich exponierten Personen, weist bei Personen, die in einer Entfernung von weniger als 50 Metern zu einer Hochspannungsleitung (220 – 380 Kilovolt) wohnen, auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für die Alzheimer Demenz hin [10]. Das Risiko steigt zusätzlich mit der Wohndauer.“

Weiter heißt es beim Bundesamt für Strahlenschutz:

„Bei beiden Erkrankungen spielen Entzündungen, oxidativer Stress und das Immunsystem eine wichtige Rolle. Es wird aufgrund aktueller wissenschaftlicher Arbeiten vermutet, dass Magnetfelder diese Prozesse begünstigen könnten, einen wissenschaftlichen Nachweis gibt es aber nicht.“

Hier der Link zur entsprechenden Seite des BfS https://www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/stellungnahmen/emf/neurodegenerative-erkrankungen.html

Wir sind, so denke ich, auf dem richtigen Weg, wenn es darum geht Schäden durch Mobilfunkstrahlung zu analysieren. Das Immunsystem mit dem Schwerpunkt „Autoimmunkrankheiten“, die Belastung durch Stress und seine Auswirkung auf die Zellen mit dem Schwerpunkt „Oxidativer Stress“ sowie dauerhafte Entzündungsprozesse scheinen bedeutsame Faktoren zu sein. Die Verbindung zwischen all diesen Punkten ist die Beeinträchtigung der Funktionsleistung der Zelle durch einen Eingriff in die Kommunikation und den Energiehaushalt.

Im Kern der Zelle scheint das Geheimnis verborgen. Es ist mal wieder so weit und wir stellen eine gewagte, aber nicht unbegründete These auf. Wir bringen an dieser Stelle die Exosome ins Spiel. Exosome sind ein Proteinkomplex, den man im Zytoplasma und im Kern einer Zelle findet. Sie sind essenziell für das Wachstum einer Zelle. Durch die sogenannte RNA-Interferenz kann die Funktion der Exosome gehemmt werden. Dies führt zum Wachstumstopp der Zelle oder ihren Tod. Die RNA-Interferenz ihrerseits spielt bei der Genexpression eine wichtige Rolle. Wir haben es hier mit zwei elementaren „Feldspielern“ in der Zelle zu tun, die – wenn sie nicht richtig funktionieren – erheblichen Schaden anrichten können. Und an dieser Stelle kommt der Wirkkomplex des oxidativen Stress zur Geltung. Sie merken, es ist nicht nur komplex, sondern auch nicht ganz einfach zu erklären.

Aber genau das hatten wir nicht nur befürchtet, sondern auch angekündigt, als wir mit diesem Blog begannen. Unsere These: Strahlung führt zu Funkstörungen in der Kommunikation des Zellkerns und der Zellsteuerung. In Kombination mit Oxidativen Stress, der sich negativ auf die Energieversorgung der Zelle auswirkt, treten Störungen im Zellwachstum und im Lebenszyklus einer Zelle auf. Diese werden durch Störung der Funktion von Exosome getriggert.

Eine gewagte Behauptung, die es gilt zu untermauern – dessen sind wir uns bewusst. Vorerst aber viel Spaß bei den restlichen Artikeln dieses Monats.